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Die Geschichte von Tetterhorn

Kurzfassung zusammengestellt von Burkhard Schmidt, die vollständige Geschichte von Tettenborn ist in den Chroniken (ISBN 978-3-86805-450-7) nachzulesen. Bilder zum Rittergut finden Sie hier.

 
Die erste Erwähnung des Namens Tettenborn  ist 1237 in einer Urkunde des Klosters Walkenried im Zusammenhang mit dem Rittergeschlecht von Tettenborn genannt worden. Im Zinsbuch der Stadt Nordhausen von 1310 befand sich eine Urkunde, in der der Ortsname eingetragen war und somit wohl der älteste urkundliche Nachweis des Dorfes ist. 

 

In den  Walkenrieder Urkunde werden 1233 werden die Brüder Henricus et Bertoldus noch als „de Levenrod“ genannt. Bereits wenige Jahre später, 1237, werden die beiden Brüder  Henrico milite et Berttoldo fratre eius de Tettenborne genannt. So ist es in einer Urkunde des Klosters Walkenried (Walkenrieder Urkundenbuch Nr. 223) festgehalten. Bereits 1310 wurde im Zinsbuch der Stadt Nordhausen der Name Tettenborn erstmals eingetragen. Das erste Siegel mit der Wolfsangel des Heiso von Tettenborn ist an einer Walkenrieder Urkunde Nr. 1014 vom 26. Mai 1326 im Zusammenhang mit der Schenkung einer Hufe in Bleicherode für das Kloster Walkenried um Seelenheil zubekommen angebracht. Etwa einhundert bis einhundertfünfzig Jahre nach der Rodezeit (Mackenrode, erstmals 979 in einer Urkunde Otto des zweiten erwähnt) erhalten die Herren von Liebenrode den Ort und die Flur Dedenborn bzw. Tettenburnen, sie behalten aber den Namen Henricus miles (Ritter)et Bertoldus de Levenrod bei. 

 

In den Familienchroniken der Familie von Tettenborn wird berichtet: "Das Güldene und Silberne Blatt so mein Vater vom Turnier in Nordhaußen, welches Markgraf Heinrich von Meißen gehalten zum Preise gekricht, da er Hanßen von Haaken aus dem Sattel gehoben und mit Gide von Uslar den Speer gebrochen ha, hab ich mit anderem Gelte unterm Grundstein zu Tettenborn bei Aufbauung des neuen Hauses den 4. Mai 1304 len lassen". 

 

Das neue gemauerte Haus der Familie wurde an der Quelle errichtet das Wasser floß von dort in das Haus, später wurde ein Teich vermutlich als Pferdewäsche angelegt, der heute als Löschteich genutzt wird. Das Vorgängerhaus dürfte ebenfalls dicht am Born gelegen haben, dazu gehörten zum Ort ca. zehn niedrige Colonenhäuser in ihnen wohnten die Dienstleute.

 

Im neunten und zehnten Jahrhundert war das südliche Harzvorland Krongut und gehörte unmittelbar zum Besitz der kaiserlichen Krone. Der Kaiser belehnte versdienstvolle Leute vom Hofe mit dem Landstrich südlich des Harzes. So entstanden dort die Grafschaften: Scharzfeld, Lauterberg, Klettenberg und Hohnstein. Die Grafen gewährten den Dörfern und Bauern Schutz, diese mussten dafür Abgaben und den Zehnten entrichten und Kriegsfolge leisten.


Seit der Besiedelung des Landstriches am Knick um das Jahr 900 war Tettenborn ein Dorf das an verschiedenen Herrschaftsländereien grenzte. Für die Menschen die hier lebten war dieser Zustand oftmals ein „hartes Brot“ im täglichen Leben, sie mussten immer damit rechnen überfallen oder eingenommen zu werden.  Rückblickend auf die letzten 400 Jahre wurde Tettenborn von verschiedenen Herrschern verwaltet. Im ausgehenden Mittelalter waren es die Grafen von Hohenstein mit den Herren von Tettenborn oder Clettenberg. Im Jahre 1593 fiel die Grafschaft mit Tettenborn an die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg die zugleich Bischöfe von Halberstadt waren (heute kann man das noch an manchen Grenzsteinen mit der Inschrift FH, welches für Fürstentum Halberstadt steht, erkennen). Erst 1648 nach dem Dreißigjährigen Krieg fällt die Grafschaft mit Tettenborn an Chur-Brandenburg dem späteren Preußen unter Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg der auch der „Große Kurfürst“ genannt wurde. Tettenborn und  Sachsa waren ein Teil der brandenburgisch-preußischen Exklave. Ihre Insellage im preußischen Staatsgebiet endete als Preußen beim Wiener Kongreß große Landgewinne durchsetzen konnte und somit der Anschluß zum übrigen Land hergestellt werden konnte. Von 1647 – 1699 war die Grafschaft Hohenstein an den Grafen von SaynWittgenstein verliehen.  


Die Zugehörigkeit der Grafschaft Hohnstein zu Brandenburg/Preußen wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nur durch die im Zuge der Herrschaft Napoleons geschaffene Neuordnung der politischen Gestalt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation unterbrochen. Im Königreich Westphalen mit seiner Hauptstadt Kassel, das von 1807 bis 1813 bestand , gehörte der Canton Sachsa im Distrikt Nordhausen zum „Harz Département“ unter König Jerome mit der Hauptstadt Heiligenstadt.

 

 

Rittergut Tettenborn
 

Nachdem schon 1237 Henrico milite et Bertoldo fratre eius de Tettenbome im Urkundenbuch des Kloster Walkenried unter Nr. 223 genannt worden sind wird dann das Dominium „villa“ Tettenburneni in der Klosterchronik von Walkenried erwähnte, es bezeichnete den Sitz der Herren v. Tettenborn. Der Hof wurde um die Quelle herum gebaut, denn diese spendete das notwendige Nass. Die Namen setzt sich aus Tette = sanft und born = Quelle zusammen, also Sanfte Quelle! Das Stammgut verblieb unter vorübergehender Teilung (1654 – 1763) von 1237 bis 1851 in dauerndem Familienbesitz des Adelsgeschlechts v. Tettenborn. Die Familie besaß u.a. in der ehemaligen Grafschaft Hohenstein noch weiteren Besitz. Zu  erwähnen sind die wichtigsten urkundlich genannten Besitztümer: Obersachswerfen 1582 – 1620, Gundersleben 1582 – 1635, Tilleda 1582 – 1831, Gangloffsömmern 1585 – 1730, Jecha 1703 – 1891.

Wappen des Adelsgeschlechtes v. Tettenborn

Wappen des Adelsgeschlechtes v. Tettenborn

Die südlich vom Herrenhof gelegene, 1845 bei einem Brande erwähnte „Tempelscheune“ welche mehrfach wieder aufgebaut wurde, verrät, dass dort der „Tempel“ eine Opferstätte aus vorchristlicher Zeit gestanden haben soll. Der Bezeichnung Tempel stammt aus der Zeit vor der fränkischen Christianisierung im 8. Jahrhundert.

 

In alter Zeit durften nur Kirchen und Rittergüter aus Stein gebaut werden, sie boten dann der Dorfbevölkerung den nötigen Schutz. Somit gab es einen steinernen Ritterhof und wenige darum liegende Colonen-Wohnungen aus Holz ohne Keller und ohne Obergeschoß.

 

Unter der Herrschaft des Grafen Volkmar Wolff (1512 – 1580) wurde das Rittergut erweitert, bei der Erweiterung musste der Tempel nahe der Kirche mit einer Erhöhung und einer Linde wo einst die Herren- und Schulzengerichte stattfanden untergehen.

 

Nach der Eroberung der Stadt Göttingen (1627) im Dreißigjährigen Krieg, befand sich eine Zeit lang das Hauptquartier des General Tilly auf dem Rittergut Tettenborn. Das Haus des Rittergutes mit seinen großen Räumen eignete sich vorzüglich für ein Hauptquartier in der damaligen Zeit.

 

Nach dem westfälischen Frieden von 1648  fiel die Grafschaft Hohnstein an den Gr. Kurfürsten  Friedrich Wilh. v. Brandenburg, sie wurde dem Grafen v. Sayn-Wittgenstein als Lehn gegeben. Von 1683  bis 1699 war Tettenborn Regierungssitz der Grafen Sayn-Wittgenstein. Am 12.Dezember 1699 entzog der Kurfürst Friedrich III. v. Brandenburg dem Grafen v. SaynWittgenstein die Grafschaft und verleibte sie in sein Land wieder ein und Ellrich wurde Regierungssitz. Der Lehnsbrief  vom 22. September 1654 sprach dem damaligen Herrn des Rittergutes,  Hans von Tettenborn (1587 – 1664) das Land als Lehn zu. Der Kurfürst Friedrich III erwarb käuflich das Dorf Tettenborn. am 07. Oktober 1698. Durch den Lehnsbrief vom 11. Dezember 1711 wurde Hans v. Tettenborn und seine 6 Brüder als Lehnsträger bestimmt. Das Gut und die Ländereien wurden seitdem bis 1850 durch die Adelsfamilie v. Tettenborn bewirtschaftet und mit Hilfe der Lehnspflichtigen (Bauern) betrieben. Mit der Übertragung der beiden Dörfer, Tettenborn und Steinsee, „mit Gericht und Recht über Hals und Hand“ wurde eine große Machtbefugnis den Belehnten zuerkannt. Die Bauern, die in den Dörfern lebten mussten Hand- und Spanndienste leisten.

 

Da niemals andere Grundherren in Tettenborn zu finden waren und das Kloster Walkenried oder andere Klöster hier keine Erwerbungen gemacht hatten, während sie in der Nachbarschaft so zahlreich waren.Das läßt daraus schließen, daß das Dorf Tettenborn und seine Fluren ursprünglich überhaupt nur aus dem ausgeschiedenen und verlehnten Königsgute bestanden haben mag. Der Preis hierfür war sicherlich die militärische Absicherung des Königreichs und die Bewachung der Straßen bzw. die Kontrolle der Zölle.

 

Es gab nur diesen einen Rittersitz und der war mit erheblichem Grundbesitz versehen. Es ist zu vermuten das die Flurnamen „Paffenholz“, „im heiligen Stocke“ und „Mönchsfeld“ in Tettenborn eine Beziehung zu kirchlichen Institutionen hatte. 

 

 

Rittergutsbesitzer auf dem Stammgut

 

Namentlich sind ab 1500 die Besitzer des Rittergutes bekannt. Der letzte Gutsherr aus dem Adelsgeschlecht der das Gut besessen hatte, war Hauptmann Bernhard Ludwig v. Tettenborn. Er war ein unfähiger Landwirt und aus diesem Grund hat er sich sicherlich auch nach Nordhausen zurückgezogen. Neben den Gebäuden rund um den Dorfplatz und dem Jungfernstieg gab es nach 1721 noch das ehemalige Junkerhaus der Herren von Tettenborn.

Herrenhaus des Rittergutes Tettenborn, Aufnahme 1920

Es war ein einstöckiges am alten Friedhof gelegenes  Haus, das 1890 von Friedrich Jödicke gekauft wurde. Das verwilderte und verkommene Rittergut wurde dann unter die Zwangsverwaltung des Oekonomen und Dorf-Schulzen Steinmüller gestellt. Auch während seiner Zeit ist es nicht mehr zur vollen Blüte gekommen. Nach diesem Übergang hat es ein gewisser Hartrott über längere Jahre geführt und dort eine Kartoffelschnapsbrennerei betrieben. Er ließ auch die hinteren Gebäudeteile für seine Schnaps Manufaktur anbauen.

 

Anfang 1851 hat der Ökonom Ludwig Hickethier aus Frohnau bei Weimar für 72.000 Thaler das Gut für seinen Sohn Adolph gekauft. Wie seinem Vorgänger erging es auch Adolph Hickethier, er war nicht in der Lage das Gut nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu führen.

adlige Gutsbesitzer

 

seit 1500

Bernhard v. Tettenborn

1587  -  1664 Hans v. Tettenborn
1627  -  1701 Hans Christoph v. Tettenborn
1669  -  1724 Hans Jost v. Tettenborn
1709  -  1779 Hans Bodo v. T., Generalmajor, hat die Gerichtsbarkeit über das ganze Dorf erhalten
1714  -  1793 Ernst Wilhelm v. T., Hauptmann
1743  -  1820 Friedrich Carl v. T., Leutnant
1787  -  1850 Bernhardt Ernst Ludwig Friedrich v. T., Hauptmann
  Pächter Oekonom und Schulze Steinmüller
 

Pächter Herr Hartrott, Kartoffelbrennerei

 

 

bürgerliche Gutsbesitzer

 

24. Juni 1851

Gutsübernahme durch den bürgerlichen Ökonomie-Amtmann Ludwig Hickethier

1864 Oberamtmann Andreas Friedrich Dettmar
bis 1893 Hauptmann Matthießen, zog sich auf Gut Nixey zurück
1893 - 1926 Major Dr. Otto Matthießen
  geb. 30. Juni 1866 in Tettenb. gest. 28. Oktober 1932 in Tettenb.
Ab 1913 Teilweise Aufsiedlung des Gutes
1926 Siedlungsverfahren (Parzellierung) des Restgutes

 

Unter dem Besitzer Hickethier wurden einige Neuerungen und Veränderungen am Gut vorgenommen, dazu zählten die Vergrößerung des Wohnhauses (Anbau des östlichen Flügels) wozu die notwendigen Hölzer und sonstige Materialien der alten Brennerei genutzt wurden. Zusätzlich wurde ein massiver Schafstall nebst Fruchtboden gebaut. In Nixey wurde ein neues Gehöft gebaut. Es bestand aus Wohnhaus, Scheuer, Ställen und Garten. In diese Zeit fiel auch der Erwerb eines Planes Land vor dem Mackenroder Holz. 

 

Der Viehbestand für ein solches Anwesen war nicht sonderlich groß. Er betrug: 14 Pferde, 30 Kühe und 1000 Schafe.

 

Im April 1864 kaufte der Oberamtmann Dethmar aus Crothorf, Kreis Oschersleben das Gut nebst sämtlichem Zubehör zu einem Preis von 126.300 Thaler. 1865 übernahm der Leutnant und Schwiegersohn Otto Wilhelm Matthießen die Bewirtschaftung des Gutes und am 29. Juni 1868 ist der Besitz des Gutes an dessen Ehefrau Marie geb. Dethmar überschrieben. Nach dem Tod von M. Dethmar am 4. Februar 1869 ging der Besitz an Hauptmann. Matthießen und dessen Sohn Otto Friedrich Wilhelm über.

 

Siegel der Herren von Tettenborn

Bereits im 17. Jahrhundert kam es zu einer ersten Teilung des Großgutes. Nach den Tode des Hans v. T. (1664) wird eine Teilung des Gutes in einen nördlichen (dem Tettenborner Stammgut) und südlichen (Mauderoder) Hof vorgenommen und somit war das Gut in zwei Höfe aufgeteilt. Den nördlichen (Knorrnsche Gut)gelegenen Hof bekam der älteste Sohn Hans Christoph als Stammgut und den südlichen (Böhmersche oder auch Mauderöder Hof) bekam Rudolf. Der südliche  wechselte durch Verkauf mehrfach den Besitzer. Nacheinander war es Eigentum der Herren von Knorrn aus Osterode,  dem Braunschweigisch-Lüneburgischen General-Superintendanten Dr. Böhmer und Hauptmann Johann Adolf v. Mauderode. Als der letzte adlige Besitzer, Johann Adolf v. Mauderode, verstarb, wurde der Hof von dem Landesbaumeister und Kammerrat Walter erworben. Da aber nach dem damalig geltenden Recht ein Nichtadliger kein Rittergut besitzen durfte, erhob der Eigentümer des Stammgutes, Hans v. T.  Klage. 

 

Nach erfolgreichem Prozeß wurden unter dem Rezeß vom 4. Dezember 1736 beide Höfe nach 99jähriger Trennung wieder vereint. Das Gesamtgut erbte 1774 August Wilhelm v. Tettenborn.

 

Anhand der zu bearbeitenden Äcker von 15 Hufen gab es um 1593 vermutlich ca. 10 Diensthäuser, bis 1648 bestand das Dorf in ähnlicher Größe. 

Ob Anspänner u.a. schon ansässig waren ist aus den Urkunden nicht ersichtlich.

 

Die Verpflichtung gegenüber den Grundherren lasteten auf den 63 Grundbesitzern. Das Rittergut selbst hatte abzulösen:

an die Pfarre:

Erbzins von 6 Ackern im Heil. Stocke Lehnware von Land der Elsterbusch und ½ Acker am Butterberge

 

an die Schule:

Martinsgeld und 24 Stück Eier

 

an die Kirche:

Erbenzins und vergleich. Lehnware auf 3 Acker

 

Diese alten Geld- und Naturalleistungen der Grundbesitzer an die geistlichen Institute stellten die Einnahmen von Pfarre, Schule und Kirche dar, die zum Unterhalt des Pfarrers und Lehrers und der Unterhaltung der laufenden kirchlichen Aufwendungen dienten.

 

Das Verhältnis der Untertanen zu ihren Grundherren mag nicht immer ein ungetrübtes gewesen sein, denn die Rittergutsbesitzer von Tettenborn waren seit dem 16. Jahrhundert Militärs und von daher auch ein bisschen grob gegenüber den Untertanen.

 

Die königliche Verleihung der vollen Gerichtsbarkeit erfolgt 1766 in dem Schreiben an die Halberstädter:

 

„auch die Beschwerden der Untertanen gegen den v. Tettenborn, ohne daß solche die Tradition aufhalten können, insoweit sie zu Eurem Ressort gehören, in cognition zu ziehen und der Ordnung und Rechten gemäß darinnen zu erkennen.“

 

Die Tradition des Adels galt damals noch etwas! Die Beschwerden wurde nach Ordnung und Rechten, d.h. „nach Herkommen“ oder Tradition entschieden.

 

Das Dorf bestand in früheren Zeiten aus den freien Bauern die im Amtsdorf ihre Höfe hatten und eigenen Acker besaßen. Sie bewohnten den nördliche Teil des Dorfes. Der südliche Teil mit dem Rittergut und der Pfarre war adliges Dorf, hierüber konnte der jeweilige Gutsbesitzer und Kirchenpatron Recht sprechen. Die Folge dieser Querelen, Tettenborn wurde 1766 im vollem Umfang adeliges Herrendorf.

 

Somit wurde die Gemeinde unter eine Gerichtsbarkeit gestellt, der Unterschied zwischen den adeligen Untertanen und den Amtsuntertanen war nicht zu beseitigen. Die adeligen Untertanen (Gutsangehörige) hatten Lehngüter mit Dienstland, das sie nicht besaßen und an deren Erhaltung und Verbesserung sie kein Interesse hatten. Die früheren Amtsuntertanen hatten Erbzinsgüter, die ihnen eigentümlich gehörten, von denen sie und ihre Kinder niemand verdrängen durfte, die sie nach Belieben verkaufen oder vertauschen durften, deren Wertsteigerung ihnen zu Gute kam, während der Zins der gleiche blieb. Sie mussten nur ihren Erbzins an Geld und Getreide geben.

 

Nach dem der General.Major v. Tettenborn im Jahre 1766 die volle Gerichtsbarkeit vom preußischen König Friedrich für seine militärischen Verdienste über das ganze Dorf verliehen bekommen hatte, es war zusätzlich noch ein Gerichtshalter erforderlich über den jedoch nichts weiter bekannt ist. In den Akten ist über die Gerichtsbarkeit folgendes niedergeschrieben worden:

 

Mit dem Schreiben seiner königlichen Majestät in Preußen Friedrich II. vom 11. November 1766 an die Regierung in Halberstadt, wird in Abschrift an den Freiherr von Wertherr mitgeteilt, daß durch Befehl seiner Majestät dem Generalmajor Hans von Tettenborn „unter dem 4. Juni 1766 die „Obere und Untere Gerichtsbarkeit über die gesamte Einwohnerschaft  Tettenborns übergeben worden sei. Bisher hatten die Herren von Tettenborn nur die Jurisdiction (Rechtsprechung) über das adlige Unterdorf‚ das obere Amtsdorf unterstand der Gerichtsbarkeit des Clettenbergischern Amtes. Von Werther soll die Comission leiten, durch die alle nötigen Formalitäten zwischen dem von Tettenborn und dem Amt Clettenberg mit dem Comissionsmitglied Fritz Braver und den Tettenborner Einwohnern geklärt werden sollen.

 

Das geschaht am 11. Januar 1767. Das Protokoll wird der königlichen Majestät am 19. Februar 1767 vom" Haus Klein Werther" durch Freiherrn von Wertherr zugesandt.  Darin heißt es: "Daß die Einwohner (des Amtsdorfes) ihrer Pflicht und Schuldigkeit dem künftigen Patron getreulich nachkommen wollten und gelobten sie mittels eines Handschlages an des Herrn Generalmajors Bruder, dem Herren Hauptmann August Wilhelm von Tettenborn, welcher eine gedruckte und beglaubigte Vollmacht mit Datum „Rasterburg in Preußen, den 15. Oktober 1766“ vorlegte, nach welcher Herr Hauptmann August Wilhelm von Tettenborn namens seines Herrn Bruders dieser Action beiwohnen und dessen Stelle vertreten sollte. Ab dem Jahre 1845 übernahm zeitweise die königl. Gerichtskommission zu Sachsa die Gerichtsbarkeit. 

 

Seit 1836 lebte der Rittergutsbesitzer Ludwig Friedrich Bernhard v. Tettenborn bereits in Nordhausen und das Rittergut war verpachtet, als Stellvertreter der Polizeiverwaltung wurde der Schulze Steinmüller bestellt.

 

Nur während der königlich westfälischen Herrschaft wurde das Rittergut 1808 mit der Gemeinde vereinigt, d.h. das Rittergut war gehalten entsprechende Beitragspflichten zu leisten. Es wurde am 13. März 1845 eine Regelung der Verhältnisse zwischen dem damaligen Rittergutsbesitzer v. Tettenborn und der Gemeinde getroffen. Dies fand auch die Bestätigung der Aufsichtsbehörde mit Sitz in Bleicherode. Es war eine Darstellung der Verfassung und der Gemeinde Tettenborn. Die in den Dörfern vorherrschenden verschiedenartigen Observanzen machte es notwendig, daß ein solches Abkommen getroffen werden musste. Betroffen hiervon waren die Landgemeinden, die während der westfälischen Zwischenherrschaft zur ehemaligen Provinz Sachsen gehörten. 

 

Der Rittergutsbesitzer Hickethier spricht am 23. August 1857 den Wunsch aus im Gemeindeverbande zu bleiben falls sein Stimmenanteil von 5 Stimmen Berücksichtigung findet. Im November 1864 beantragte der spätere Gutsbesitzer Oberamtmann Dettmar erneut die Wiederherstellung der früheren Selbständigkeit des Rittergutes und Ausscheidung aus dem Gemeindeverbande. Diesen Antrag widersprach die Gemeinde ebenso wie den Antrag vom 22. Dez. 1871 durch Hptm. Matthießen. In diesem wurde gefordert, das das Rittergut als selbständigen Gutsbezirk anzuerkennen sei und die Herauslösung aus dem Gemeindeverband.

 

Zu den Pflichten gehörten u.a. die Aufforderung der Königlichen Regierung, Abteilung für das Kirchen- und Schulwesen zu Erfurt von 1886 die Baukosten für ein neues Küster- und Schulhaus aufzubringen. Der Antrag des Ritterguts auf Ausscheiden aus dem Gemeindeverbande und Anerkennung als selbständiger Gutsbezirk, wurde durch den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen vom 30. April 1872 endgültig abgewiesen.

Um die Jahrhundertwende betrug die Gesamtgröße des Rittergutes unter  Matthießen ca. 125 Hektar mit Ländereien und den Gebäuden in der Ortslage.

 

Aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung des Bahnhofs Tettenborn wurden bereits 1907 hinter dem ehemaligen Güterschuppen erste Waldflächen vom Rittergut an die Bahnverwaltung  für eine Wendeschleife verkauft. Zu Beginn des Jahres 1914 wurden dann weitere Parzellen an die Gebrüder Lohoff der Harzer Holzwarenfabrik sowie weitere Parzellen an der Chaussee nach Sachsa und die Feldscheune an der Chaussee von Tettenborn zum Bahnhof an Ballhause auf der Kolonie verkauft.

 

Die nächst größeren Verkäufe, des Rittergutsbesizter Dr.Otto Matthießen gingen an verschiedene private Käufer und an die Gemeinde Tettenborn, es begannen laut Rentenguts-Rezeß am 20.06.1913. Im Frühjahr 1913 werden Teile des nördliche Krönert‘sche Rentengutes (Ländereien und Gebäude vom Mersch bis zur Feldscheune auf der unteren Hinterstraße) an Wiegand und Riechel verkauft.

 

Laut Aktenvermerk vom 30.08.1913, ist zur Überwachung und der Aufteilung des Gutes die Landgesellschaft Eigene Scholle (Franfurt/Oder) zuständig. Das aufzuteilende Gebiet unterstand im Gesamten der Deutschen Gesellschaft für innere Kolonisation (daher stammt sicherlich auch der Name Kolonie).

 

Die große Aufteilung des Gutes mit ca. 492 Morgen (124 ha) begann 1925. Für die bereits abgesteckten Parzellen kamen ca. 35 Käufer, durchweg kleine Landwirte und Industriearbeiter in Betracht. Im südlichere Teil des Gutes der Tempelscheune, im Pferdestall und Kuhstall entstanden 5 neu gegründete Siedlungen (Wohnungen) mit den Siedlern Clages, Ratz, Hartung,

Ahlborn und Küchmann

 

Diese Parzellierung lag in den Händen der Siedlungsgesellschaft Sachsenland GmbH. Die Gesamtabgabe an Ländereien betrug rund 96 Hektar und somit verblieben dem Restgut noch ungefähr 29 Hektar mit einem Schafstall und einem Speicher. Der Verkaufserlös der im Durchschnitt etwa 10% unter den Preisen von 1912 lag erbrachten für Dr. Otto Matthießen rund 410.000 Reichsmark.

 

Am 30. April 1929  erfolgte die Übergabe der Rentengüter an die Käufer mit den dazugehörigen Gebäuden, Parzellen, Wegen und Gräben an die Käufer. Der Kaufpreis lag pro 25a = 2.500 m²  bei ca. 220 Reichs-Mark. Das früher Ritterguts-Herrenhaus und der Garten wurde zum 1 Juni 1926 an die politische Gemeinde Tettenborn verkauft. Die tatsächliche Übergabe des Hauses fand dann am 30. Juni 1926 statt. Im September 1927 begann der Umbau des Hauses für Schulzwecke, neben zwei Schulräumen wurden zwei Wohnungen für die Lehrer geschaffen. Der nördliche Rittergutshof bzw. Garten von ½ Morgen wurde zum Schulhof umgestaltet. Das gesamte Schulgrundstück hatte eine Größe von 2 Morgen. Im hinteren Teil des Gartens an der heutigen Hinterstraße standen eine hohe Tanne und eine prächtige Buche sie galten früher als Wahrzeichen  von Tettenborn und sollten als diese auch erhalten bleiben. Die beiden Bäume wurden dann aber 1939 unter große Teilnahme der Dorfbevölkerung und der Schüler gefällt.

 

 

Politische Zugehörigkeit

Nach dem Ende der Franzosenzeit (1814) gestaltete Preußen aus dem „Zivilgouvernement der wiedergewonnenen Provinzen“. Das „Gouvernement der Provinzen zwischen Elbe und Weser“ mit Sitz in Halberstadt.  Preußen bestand damals aus 10 Provinzen. Eine von ihnen war die Provinz Sachsen. Mit dem Gesetz vom 30. April 1815 wurde die Grafschaft Hohenstein der Regierung Thüringen zu Erfurt unterstellt. Mit der Neugliederung wurde die Provinz Sachsen gebildet und erhielt den Rang eines Herzogtums. Durch die Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress, entstand zum 1. April 1816 der neue Kreis Nordhausen im Regierungsbezirk Erfurt in der preußischen Provinz Sachsen. Die Provinz Sachsen war zur damaligen Zeit die reichste Provinz die zwischen dem Königreich Hannover und dem Königreich Sachsen lag. Dadurch wurde der Ort Tettenborn Teil des Regierungsbezirk Erfurt im Hohensteiner Kreis  (in der amtlichen preußischen Schreibweise wurde aus Honstein „Hohenstein“ geschrieben, um eine Verwechslung mit der hannoverschen Grafschaft Hohnstein zu verhindern). Der spätere Kreis Nordhausen wurde ab dem 8. August 1888 in Kreis Grafschaft Hohenstein umbenannt. Der Sitz des Landratsamtes war die zunächst dem Kreis angehörige und seit 1882 aber kreisfreie Stadt Nordhausen. Außer Tettenborn lag in diesem Kreis, welcher sich mit einer nach Norden gerichteten Ausstülpung von etwa 7 km Länge in Nord-Süd-Richtung und etwa 2 bis 5 km Breite in Ost-West-Richtung, auch die Stadt Bad Sachsa.  Im Westen und Norden grenzte die preußische Provinz Hannover mit den Landkreisne Osterode und Zellerfeld und seit 1918 das Land Braunschweig im Norden und Osten mit dem Landkreis Blankenburg an die Flur von Tettenborn an. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurden Tettenborn und Bad Sachsa in den neuen Kreis Osterode eingegliedert und somit die Herauslösung aus dem Land Thüringen vollzogen.

 

 

Kriegsende

 

Ab Mai 1944 spürte man auch in Tettenborn den herannahenden Krieg, die auf der Hinterstraße zwischen Mersch und Neuhöferstraße abgestellten zivilen Fahrzeuge von Flüchtlingstrecks aus dem Nordosten des Deutschen Reiches sowie aus Berlin wurden am 20./21. Mai durch alliierte Flieger beschossen. Dabei sind auch die Häuser von Karl Eilhardt[1] und  der Schusterei Lautenbach unter MG-Beschuß genommen worden.

 

Die MG-Salven durchschossen den Häusergiebel bei Eilhardt’s und durchsiebten Fenster, Fußboden und Wohnzimmertisch. Im Hause Lautenbach an der Neuhofer Straße ist ebenfalls der Giebel beschossen worden und dabei wurde Hedwig Küchmann tödlich getroffen. Das Berliner Speditionsunternehmen Gusicki welches Schutz am Harzrand  suchte blieb noch bis zum 22. November 1944 und reiste dann in Richtung Kassel weiter. Ein weiterer aus Berlin von Wilhelm Neumann geführter Flüchtlingstreck von ca. 50 Personen der meist aus Frauen und Kindern und wertvollen Feuerwehrfahrzeugen bestand, wurde in der Dorfstraße abgestellt. Bereits vor der Einnahme des Dorfes und der Kolonie wurde das Werkgelände der Firma Lohoff durch die alliierten Luftstreitkräfte beschossen und Teile der Gebäude gingen in Flammen auf welche jedoch durch den raschen Zugriff der Werksfeuerwehr gelöscht werden konnte.

 

Mit dem Herannahen der alliierten Truppen aus südwestlicher Richtung auf die Harzfestung und Nordhausen wurde das Dorf unmittelbar zum Kriegsgebiet. Zu Beginn der Osterferien musste auf Anordnung eines Wehrmachtskommandos ein unterer Klassenraum geräumt werden. Der Schulraum diente von dort an für einige Woche einer Wehrmachtsabteilung als Quartier. Lehrer Rank hatte in Eigenschaft als OrtsgruppenLtr. Der NSDAP den örtlichen Volkssturm[2] zu organisieren. Am 10. April 1945 waren die Amerikaner bedenklich nah an den Südharz herangerückt. Mit dem Fernglas konnte man vom Dachboden der Schule hinter Epschenrode in Richtung Nordhausen vorrückende Panzerformationen beobachten. 

 

In der darauffolgenden Nacht legte sich die Bevölkerung nur noch angekleidet schlafen, die Spannung war auf höchste gestiegen. Nachdem bei Stöckey ein Panzerkampf stattfand, setzte auch bald in Tettenborn der feindliche Beschuß ein. Am frühen Morgen begann dann einsetzendes Artilleriefeuer, dies kann auf das Einrücken eines deutschen Mannschaftstransportwagens[3] in den Ort zurück zuführen sein oder auf die zuvor einquartierten Soldaten. Das Militärfahrzeug mit einem Maschinengewehr und 12 Infanterie-Gewehre sowie diverse Handgranaten und Munition wurde auf dem Jungfernstieg abgestellt, die Soldaten flüchteten mit unbekanntem Ziel

aus dem Dorf. Vermutlich bezogen sie Stellung im Mackenröder Holz denn beim Vorrücken auf das Dorf am 11. April  wurden der Wald von den Amis beschossen.

 

Im Kirchturm hatten sich die beiden Hitlerjungen Otto Blanke und Otto Krug als Beobachter eingerichtet und konnten von weitem das Herannahen der Panzer sehen. Dann erreichte ein letzter Anruf vom Gastwirt aus Mackenrode die Schule. Die Meldung hieß: „Zunehmendes Panzergerassel und Gefechtstätigkeit aus Richtung Limlingerode-Stöckey! – Schluß“. Danach wurde die Telefonleitung beschädigt. Rank gab dann noch eine Meldung an das Standquartier des Volkssturms auf der Kolonie in der Gastwirtschaft Morich durch. Was dann geschah ist sehr widersprüchlich. Auf der Kolonie waren bereits einige Tage vorher ein Sprengkommando (ein Feldwebel und zwei Soldaten) zur Sprengung der Bahnbrücke eingetroffen. Der Volkssturm hatte angeblich aufgrund eines höheren Auftrages eine Panzersperre vor der Brücke zu errichtet. Nach dem Krieg wurden Behauptungen aufgestellt Rank hätte den Unsinn in Hinblick auf die Gesamtlage nicht eingesehen. Am Tage zuvor wurden aber die Panzerfäuste auf die Kolonie gebracht. Die Wahrheit wird man nicht mehr herausfinden, aber die Brücke blieb noch bis in die 1980-Jahre stehen bevor sie durch eine neue Brücke ersetzt wurde.

 

Am 11. April 1945 trat dann Stille ein und gegen Mittag hörte man Panzergerassel und Autogeräusche und den Ruf des Feuerwehrmannes Fritz Eilhardt: „Sie sind Da! Die Amerikaner sind da! Eben fuhren sie im Auto vorbei!“  Ein weiterer Feuerwehrmann August Müller kam über den Damm gelaufen und schilderte seine ersten Eindrücke mit den „Amis“: „Ein Panzer hat angehalten, ich musste den Uniformrock ausziehen.“  Nachdem die Scheune von Rust in Brand geschossen wurde, blieben zwei Panzer im Nachbargarten bei Pabst[4] stehen.  Die US Fahrzeuge und Panzer kamen über die Mackenroder Straße und die Schinderecke ins Dorf gerollt.  Kurze Zeit später fuhr ein Geländewagen den Spittel herunter und hielt vor dem Schulhof an der Eingangspforte. Rank empfing die Soldaten auf der Treppe und wollte mit ihnen sprechen. Die Amerikaner drängten ihn zur Seite und fingen mit der Durchsuchung der Klassenräume an, in denen noch Tags zuvor deutsche Soldaten kampierten. Die Jagdwaffen von Lehrer Rank sowie die zurückgelassenen Wehrmachtswaffen wurden zerschlagen und von einem Panzer zermalmt. Kurze Zeit später mussten die Wohnungen in der Schule und die Häuser auf der Hinterstraße für die amerikanischen Soldaten geräumt werden. Die Frauen und Kinder der oberen Hinterstraße Pressel, Riechel, Eilhardt (Fritz und Karl), Küchmann, Hackethal und Engelmann fanden Unterschlupf im Hause der Familie Küchmann an der „Zimtengasse“ die Lehrerfamilie kam bei Bense unter. In der Schulchronik ist nachzulesen, dass Schule und Schulgrundstück nun Tummelplatz der Besatzungsmacht und des „Mobs“ der Dorfbevölkerung wurde. 

 

Auf einem offenen Amitruk wurden am 11. April 1945 alle Nazigrößen des Ortes zur

Umerziehung abgeholten, dazu zählten der Ortsgruppenleiter der NSDAP und Hauptlehrer Bruno Rank, der SA-Führer Eduard Engelmann und Frau Könnecke welche den BDM[5] führte. Nachdem Rank von den Amerikanern mit den anderen Nazis aus der Gemeinde in ein Umerziehungslager deportiert war, traf nach ganz kurzer Zeit beim Pfarramt sein Schreiben (der Originalbrief im Pfarrarchiv) mit dem Antrag auf Wiedereintritt in die Kirche[6] ein. In diesem Brief erklärt der ehemalige Ortsgruppenleiter, dass er sofort wieder in die Kirche eintreten wolle. Da im Kirchenrat nur ehemalige Parteimitglieder saßen, hatte er natürlich mit seinem Brief Erfolg. Die Wendehälse von 1945 knüpften ihre alten Seilschaften im Dorf. Die Kirchenältesten nahmen natürlich den Antrag an, denn sie kamen vor dem Krieg durch die Partei in diese Ämter. 

Genau 24 Stunden später am 12. April um 11:30 Uhr besetzte die US-Armee die Kolonie und dies zunächst nur bis zur Bahnbrücke. Zwei Bewohner, die Herren Junge und Lampen, gingen mit erhobenen Händen vor ihnen her, damit kein größerer Schaden angerichtet werden sollte. Als die Vorbereitung der Schienensprengung am Bahnhof getroffen wurden ging Herr Sturzberg auf die Soldaten zu und wollte sie an ihrer Arbeit hindern. Er vermutete zunächst deutsche Soldaten, als sie jedoch antworteten, bemerkte er das es Amerikaner waren. Am 13.04. rückten sie weiter nach Bad Sachsa vor.

 

Für kurze Zeit war Tettenborn dann amerikanisch und für die Kinder begann eine teilweise angenehme Zeit. Nachteilig wirkte es sich, hauptsächlich in den neuen Häusern der Hinterstraße aus, dort bezogen die Soldaten ihre Quartiere. 

 

Die amerikanischen und britischen Besatzer durchkämmten alle Bereiche des staatlichen Lebens und suchten nach politisch durch den Nationalsozialismus belastete Personen. Der Lehrer Rank wurde beim Einrücken der Amerikaner im April 1945 verhaftet und später den Britten zur Umerziehung übergeben. Seine Entlassung aus dem 7. Zivilinternierungslager Eselheide bei Paderborn erfolgte dann im Oktober 1947. Nach einigen Wochen amerikanischer Besatzung lösen die Briten  ihre Verbündeten am 08. Juli 1945 ab. Am 10./11. Juli 1945 quartierten sich bereits die Russen in der Schule ein und verpflichteten Dorfbewohner zur Unterstützung der alltäglichen Aufgaben. In der Kommandantur sind Fräulein Genzel[7] als Schreibkraft und Karl Ernst als Fahrer mit seinem OPEL-Blitz eingesetzt worden. Sie kam mit dem russ. Kommandanten sehr gut aus, er war Lehrer von Beruf und sprach perfekt deutsch. Als Unterkunft für die Soldaten wurde der Saal der Gastwirtschaft Bergmann beschlagnahmt. Der Kommandant hatte seine Soldaten fest im Griff so dass es zu keinen Übergriffen mit der Bevölkerung kam. Der russ. Kommandant verteilte die Aufgaben auf seine beiden deutschen Helfer. Gegenüber Frl. Genzel sagte er: „Sie sei die Kommandantin“! Dies kam ihr später zu Gute, als eines Tages ein betrunkener Russe mit ausgebreiteten Armen auf sie zu kam, sagte sie voller Angst: „Ich Kommandantin, Stoi!“ Der Soldat stand sofort stramm und verschwand.  Wie Karl Ernst[8] berichtete musste er den russischen Ortskommandanten mit Namen „Mischka“ fahren. Er musste Tag und Nacht mit seinem Fahrzeug bereitstehen. Benzin gaben sie ihm nicht, aber dafür musste er Wodka mit den Soldaten trinken, der ihm jedes Mal die Kehle zuzog. Er wunderte sich wie die Russen dies hochprozentige Zeug Becherweise in sich hineinschütten konnten, ohne eine Miene zu verziehen. Nach etwa 3 Wochen räumten die Russen Tettenborn und die Briten übernahmen Tettenborn als Besatzungsmacht.  Mit Unterstützung der britischen Besatzungsverwaltung wurde bereits im Mai eine demokratische Gemeindeverwaltung unter dem neuen Bürgermeister Wilhelm Neumann im ehemaligen HJ-Heim aufgebaut, ihm zur Seite stand Frl. Genzel, als Bürokraft[9]

 

Der engl. Offizier der gut deutsch sprach aber grundsätzlich sich nur in Englisch unterhielt, hatte stets eine Reitgerte im Stiefel und wenn ihm etwas nicht passte schlug er mit der Gerte auf den Tisch, so dass einmal Frl. Genzel die Tinte aus dem Faß ins Gesicht flog. 

 

Und wie ging es dann weiter. Auf den Raum Bad Sachsa bezogen besagte das 1. Zonenprotokoll, dass das Land Braunschweig und die preußische Provinz Hannover zur Nordwestzone (bei der zunächst offen gelassen wurde, ob sie von den Amerikanern oder von den Briten besetzt werden sollte), die preußische Provinz Sachsen zur sowjetischen Besatzungszone gehören sollten. Das 2. Zonenprotokoll, das festlegte, dass Nordwestdeutschland britische, Süddeutschland (einschl. Hessen sowie Bremen) amerikanische Besatzungszone wird, sowie das Kontrollabkommen, wonach als oberste Instanz bei der Verwaltung der Besatzungszonen ein Alliierter Kontrollrat eingesetzt wird, dem die Militärbefehlshaber der Besatzungszonen angehören, wurden am 14. November 1944 unterzeichnet.

 

Ausführliche Darstellung des Osteroder Kreisamtsrates Georg Matzander über die Zeit nach dem Zusammebruch des 3.Reichs:

Im April 1945 besetzte die amerikanische Armee Bad Sachsa, Tettenborn, die gesamte preußische Provinz Sachsen sowie das Land Thüringen. Heute ist nicht mehr mit Sicherheit festzustellen, ob der deutschen Bevölkerung der seit 1944 bestehende Plan, das Deutsche Reich in Besatzungszonen aufzuteilen, bekannt war. Die Amerikaner verhielten sich nach dem Waffenstillstandsabkommen am 8.Mai 1945 so, als wären sie auch in der Provinz Sachsen … die rechtmäßige Besatzungsmacht. … Als Kreiskommandant nahm ein US-Offizier die örtlichen Aufgaben der Militärregierung im Kreise Grafschaft Hohenstein wahr. ...

 

Niemand in Bad Sachsa, Tettenborn und in den anderen Orten der östlich der Provinz Hannover gelegenen Gebiete glaubte ernstlich an den Rückzug der Amerikaner. Völlig überrascht, schockiert und betroffen erlebte die Bevölkerung am 1. Juli 1945 den Rückzug der Amerikaner und den Einzug der Sowjets. Der Wechsel vollzog sich so plötzlich, dass selbst Bürgermeister Müller, der das Vertrauen des amerikanischen Kreiskommandanten besaß, vorher nicht unterrichtet werden konnte...

 

Matzander führt dann aus, dass Anfang Juli eine Kommission aus britischen und sowjetischen Soldaten die Grenze zwischen der Provinz Sachsen und der Provinz Hannover markiert hätte, und fährt fort:

 

Mit Sorge beobachteten die Einwohner von Bad Sachsa und Tettenborn … die Tätigkeit der britisch-sowjetischen Kommission. Englische und sowjetische Soldaten kamen und gingen. Inzwischen war den Einwohnern bekannt geworden, dass die Provinz Sachsen und damit auch die Gemeinden Bad Sachsa und Tettenborn künftig zur sowjetischen Besatzungszone gehören sollten. Ihr Erstaunen war groß, als die provisorisch aufgestellten Markierungszeichen plötzlich an die südliche Gemeindegrenze von Tettenborn versetzt wurden. Sie glaubten noch an einen Irrtum der Kommission, als russische Soldaten die Straße von Bad Sachsa und Tettenborn nach Nordhausen sperrten. Damit war die Verbindung zur Verwaltung des Kreises Grafschaft Hohenstein unterbrochen, die zuletzt ihren Sitz in der kreisfreien Stadt Nordhausen hatte. Über die Gründe, die maßgebend waren, beide Gemeinden aus der sowjetischen in die britische Einflusssphäre zu entlassen, gab es nur Vermutungen und zahlreiche Gerüchte. Die britische Militärregierung gab nicht bekannt, ob diese Grenzänderung durch Zufall oder durch eine Vereinbarung zustande gekommen war. Tatsächlich gelangten die Beauftragten des britischen und sowjetischen Oberkommandos zu der Überzeugung, hier den Verlauf der bestehenden Landes- und Provinzgrenzen im Interesse beider Seiten korrigieren zu müssen. Für diese Notwendigkeit sprach auch die Trassierung der Straßen und der Eisenbahnlinie zwischen Osterhagen und Walkenried.

 

Matzander schilderte, daß die Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in der Kleinen Grenzkommission, die ab 1973 den genauen Verlauf der innerdeutschen Grenze feststellen sollte, fürchteten, wegen Bad Sachsa und Tettenborn seitens der Repräsentanten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) Auseinandersetzungen erwarten zu müssen. Diese seien aber ausgeblieben. Vielmehr hätten die Kommissionsmitglieder aus der DDR den Kollegen aus der Bundesrepublik Einblick in einen Vertrag vom 12.7.1945 gewährt, der den Übergang der beiden Gemeinden in die britische Besatzungszone regelte. 

 

In einem Antrag vom 15. Juli 1945 strebte der Bürgermeister dann auch die Eingliederung der Stadt in den Kreis Osterode an. Er begründete dies u.a. mit den „schon lange Zeit dorthin bestehenden Verbindungen“. Der Regierungspräsident in Hildesheim unterstellte mit Verfügung vom 21. Juli 1945 die Stadt Bad Sachsa – und mit Verfügung vom 23. Juli 1945 die Gemeinde Tettenborn, die sich dem Antrag angeschlossen hatte – vorläufig der Verwaltung des Landkreises Osterode am Harz. Zur endgültigen formellen Eingliederung erließ der Oberpräsident in Hannover folgendes

 

Tettenborn wurde wie so häufig in seiner Geschichte zum Grenzdorf, diesmal waren es Russen und später die DDR.  Nach den Ereignissen des Jahres 1989 und dem Fall der Mauer, in unserem Gebiet war es der Abbau der Grenzzäune, wurde von 13 Einwohnern aus Tettenborn und Bad Sachsa im März 1991 der Förderverein Grenzlandmuseum e.V. gegründet. Der Aufbau des Museums geschah dann gemeinsam mit Vereinsmitgliedern aus den alten Bundesländern sowie aus den neuen Bundesländern. Die viele Jahre unter anderem militärischen Dienst an der Zonengrenze verrichteten. Der Gedanke der dahinter stand war folgender: Es soll den hier ansässigen Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern aber vor allem den Gästen und Urlaubern einen umfassenden Überblick über das Leben im Grenzgebiet und der 40jährigen Trennung Deutschlands zeigen. Die Grundidee war der Aufbau einer Außenanlage, der Ausstellung von Uniformen sowie Gegenstände, die das Leben im Grenzgebiet regelten. Neben den Exponaten sollte die Geschichte und das Leben in den Dörfern Niedersachsens und Thüringens dargestellt werden. Diese Idee wurde nie vollständig umgesetzt. Als Außenanlage sollte des derart gestaltet werden, dass ein Teil eines Grenzabschnittes einschließlich eines Beobachtungsturmes der ehemaligen Grenztruppen wieder aufgebaut werden sollte. Am 12. November 1992 war es dann soweit, in den Räumen der ehemaligen Volksschule des heutigen Dorfgemeinschaftshauses, wurde genau drei Jahre nach Öffnung der Straße zwischen Nüxei und Mackenrode an der B 243 das Museum eröffnet. Eine Fülle von Original-Exponaten und Fotomaterials zeigte in den ehemaligen Schulräumen die Entwicklung der mörderischen Grenzsicherungsanlagen. Das Grundkonzept einer Außenanlage konnte nicht verwirklicht werden, es wurde jedoch die Führungsstelle des oberen Teils eines Beobachtungsturmes in der Originalausstattung in einem Innenraum aufgebaut. Neben der umfangreichen Sammlung vieler Orden und Ehrenzeichen der DDR ist auch ein Fluchtballon ausgestellt, mit dem 1989 kurz vor dem Niedergang der DDR ein Fluchtversuch scheiteret. Das Museum wurde jährlich von ca. 7.000 zivilen und militärischen Besuchern aus dem In- und Ausland besucht. Immer wieder wurde das Museum von Fernsehsendern aufgesucht, in den Sendungen wird dann das Leben auf beiden Seiten der Zonengrenze wiedergegeben.

 

Nachkriegsdeutschland

 

Als Besonderheit ist hervorzuheben, dass Tettenborn in der Zeit vom 12. bis zum 23. Juli 1945 weder zum Regierungsbezirk Erfurt noch zum Regierungsbezirk Hildesheim gehörte. Die beiden Orte Tettenborn und Bad Sachsa wurden auch am 31. August 1945 zunächst nur vorläufig in den Landkreis Osterode am Harz eingegliedert. 

 

 

 

 

1945  Englischer Militärpolizist mit Teffenborner Kindern

am Schlagbaum an der Mackenroder Straße

 

 

Unmittelbar hinter dem Ort an der Klettenberger Str. gab es Straßensperren wie hier hinter dem Matthießen Hof wie hier hinter dem Matthießen Hof kommen die Frau Schaller, Sauer, Bock und Weckmann im September 1947 von der Feldarbeit.

 Mit der Festlegung der vorläufigen Grenze wurden die Straßenübergänge bewacht und ab diesem Zeitpunkt konnte die Zonengrenze nur noch auf Schleichwegen überquert werden.  Viele, welche die Grenze „schwarz“ überquerten, hatten Verwandte oder aber Äcker, die bearbeitet werden mussten, auf der anderen Seite der Grenze. 

 

Zu den Grenzgängern gesellten sich immer mehr Schmuggler oder Schieber, die Grenze wurde aber auch durch Angehörige der Roten Armee überschritten. Bei den Soldaten war es oftmals Unkenntnis über den tatsächlichen Grenzverlauf oder sie wurden gezielt zur Ausspähung der brit. Zone hinübergeschickt.

 

Die russischen Soldaten machten bei Grenzverletzungen rücksichtslos Gebrauch von ihren Schusswaffen. Sie versuchten aber auch grenznahe Gebäude zu plündern und dies blieb nicht immer ohne Folgen. Fast 1 ½ Jahre nach der Grenzregulierung kam es in der Mackenroder Straße bei der Familie Kahn zu einem folgeschweren Todesfall. Am Abend des 16. November 1946 klopfte es gegen 21:00 Uhr an der Tür. Beim Öffnen der Tür drangen zwei bewaffnete Rotarmisten in das Haus und trieben alle Bewohner, auch die schon schlafenden Kinder, in das unbeheizte Wohnzimmer, wo sie von einem der Russen mit einer Maschinenpistole bewacht wurden. Der andere Soldat durchwühlte die Zimmer nach Brauchbarem. Aus Ärger darüber, dass er nichts gefunden hatte warf er Sachen die Treppe hinunter. Ein Hausmädchen, welches den Soldaten begleitet hatte, fing an zu schreien, diese Situation nutzten der Landwirt Kahn und der Schneider Bierwisch aus und entwaffneten einen der Soldaten und trieben ihn aus dem Haus. Dem zweiten erging es nicht besser. Die verschreckten Bewohner wollten die Polizei informieren und mussten aus diesem Grund das Telefon der Gastwirtschaft Bergmann benutzten. An diesem Abend war Tanz für die Dorfjugend, an dem auch der Jungbauer Karl Kahn teilnahm. Von dem geschilderten Vorfall aufgebracht strömte die Dorfjugend zum Kahn’schen Anwesen. Gerade angekommen vernahmen sie Schüsse aus einer MP. Die Dorfjugend und die Bewohner verließen das Haus durch ein rückwärtiges Fenster. Der Jungbauer erwiderte mit der zuvor erbeuteten MP das Feuer, um den Flüchtenden Rückendeckung zu geben. Er wurde jedoch von den eindringenden Russen mehrfach in Brust und Bauch getroffen, bevor man ihn mit einem Kopfschuß in der Küche hinrichtete.

 
 
Ortswappen Tettenborn

 

Wappen Tettenborn

Trotz Eingemeindung und Verlust der Selbständigkeit nach der Verwaltungs- und Gebietsreform vom 1. Juli 1972, bei der Tettenborn in die Stadt Bad Sachsa eingegliedert wurde, beschloß der Ortsrat von Tettenborn am 25. April 1983, ein eigenes Ortswappen zu führen. Über Jahrhunderte wurde das Familienwappen der Freiherren von Tettenborn im Siegel des adligen Dorf geführt. Seit 1237, laut einer Urkunde des Klosters Walkenried, gibt es das Rittergeschlecht gleichen Namens. Die Adelsfamilie wohnte noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts im Dorf. Das Wappen derer von Tettenborn zeigt:

 

Auf weißem Grund eine schräg liegende schwarze Wolfsangel

 

Die Wolfsangel wird als Symbol der Wehrhaftigkeit interpretiert und ist auf vielen Wappen adeliger Familien aber auch in Städtewappen wie halberstadt zu finden. Ursprünglich war es ein Fanggerät für Wölfe und Füchse, dessen Köderträger, der Doppelhaken, noch häufig als Forstsymbol auf alten Grenzsteinen zu finden ist. Anfangs lagen dem Ortsrat zu Beginn des Jahres 1983 fünf Entwürfe vor, von denen schnell zwei Entwürfe favorisiert wurden.

In beiden Entwürfen waren der Wellenpfahl und die Wolfsangel enthalten, jedoch in unterschiedlicher Farbe und Darstellung. In einer Bürgerversammlung wurden die Entwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt. Viele der anwesenden Bürger von Tettenborn sprachen sich für einen Entwurf aus, der wie folgt beschrieben wird:

 

In Blau ein weißer Pfahl, belegt mit einer schwarzen Wolfsangel. Am Schildfuß ein Wellenbalken in gewechselten Farben.

 

Der Ortsrat entschied sich jedoch für den heraldisch sicher noch besser gelungenen Entwurf, wie er sich heute als Ortswappen darstellt. Allerdings, so der Beschluß, sollten die Spitzen der Wolfsangel, abweichend vom Entwurf, umgedreht werden. Das Niedersächsische Hauptstaatsarchiv in Hannover erklärte sich im Schreiben vom 28. Juni 1983 mit dem vorgelegten Wappenentwurf von Karl Helbing aus Walkenried einverstanden und hatte keine Bedenken, wenn dieses Wappen bei feierlichen Anlässen in Tettenborn verwendet wird.

 

Die blaue Farbe und der Wellenpfahl sollen auf die Endung  „-born“ im Namen von „Tettenborn“ hinweisen und stehen für Quelle und fließendes Wasser. Die Wolfsangel entstammt dem adligen Wappen.

 

Was in der bei der Wappengestaltung keinen Einfluß nahm war das  das rot/weiße Hohnsteiner Schachmuster so, wie es unter anderem im Sachsaer, Clettenberger oder Ellricher Wappen geführt wird. Die Orte gehörten bis 1945 zur Grafschaft Honstein und erst mit dem Grenzverlauf zwischen der Britischen und Sowjetischen Besatzungszone fand eine Trennung des Jahrhundert alten Zusammenschlusses statt.

 

Das Dorfwappen führt heute einen blauen Hintergrund in deren Mitte sich einen silberner Wellenpfahl mit einer schwarzen Wolfsangel befindet.

Das Schachmuster und wie auch die Wolfsangel wurden in vielen Wappen des bürgerlichen Zweiges der Tettenborn Familien verwendet.

Familie Tettenborn aus der Hauptlinie Niederröblingen

Sigmund Tettenborn

Thilo von Tettenborn verwendete ebenfalls 1363 das Schachbrettmuster in seinem Siegel

 
Feste und Bräuche

 

Im Laufe der Jahrhunderte hat es viele Feste und Bräuche gegeben, teilweise haben diese sich gehalten, andere sind aus unserem Dorfleben verschwunden. Im Nachfolgendem werden die uns noch bekannten Feiern wiedergegeben.

 

 

Das Hammelfest

 

Nachdem die Herrschaft Napoleons, nach dem Ende der Freiheitskriege, vorbei war, sollten nun freie Bürger bewaffnet werden. So wurde auch in Tettenborn eine Bürgerwehr gegründet, die eifrig üben musste, aber im Laufe der Jahre ließ die Begeisterung nach. Dies soll der Grund zur Entstehung des Hammelfestes gewesen sein. Es fand auf der Wiese statt, die links am Ortsausgang von Tettenborn zur Kolonie lag, dort wo heute die Häuser von Köhler und Böhle stehen. Es fanden Wettkämpfe der Jugend statt, ob dabei auf einem Hammel geritten werden mußte ist leider nicht überliefert. Die Kinder bekamen Brause und die Erwachsenen tranken ihre alkoholischen Getränke. Der Brauch hörte vor 1895 auf, er wurde dann von dem Schützenfest abgelöst.

 

 

Osterfeuer

 

Während der Erbesbär Böses vertreiben sollte war das Abbrennen eines Feuers zum Frühjahrsbeginn ein Opfer- und Bittfeuer an die Frühlingsgöttin Ostara. Die Germanen erwarteten von ihr Segen für Acker, Vieh und Menschen, und Glück.

Auch dieser Brauch floß nun in das christlich geprägte Leben ein. Das Osterfeuer galt als Zeichen des hellen Lichtes, welches Gotte durch die Auferstehung Christi in die Welt und ihre dunklen Seiten von Sterben und Tod hat scheinen lassen. Heute ist dieser tiefere Sinn vielen gar nicht mehr bewusst. Osterfeuer sind ein Brauch, sie werden überall angezündet, man trifft sich dort, es wird getrunken und gegessen und man fühlt sich in der Gemeinschaft mit den anderen Gekommenen wohl. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Osterfeuer zunächst in Nähe der Zonengrenze an der Schinderecke am Hang nach Mackenrode angezündet. Hiermit sollte die Verbundenheit der Tettenborner mit der Bevölkerung der SBZ gezeigt werden. Seit vielen Jahren  wird das jährliche Fest auf dem Sportplatzgelände vom SuS durchgeführt.

 

 

Walpurgis

 

Die Walpurgisnacht ist vor allem im Harz seit Jahrhunderten durch eine Sage geprägt, selbst Goethe hat sie im „Faust verewigt. 

In der Nacht vor dem 1. Mai, in der nach dem Volksglauben die Hexen zu ihren Tanzplätzen fliegen: Blocksberg, Brocken, Hexentanzplatz usw. wird in vielen Orten Walburgas begangen. Die heilige Walburga wurde dabei in der kath. Zeit als Beschützerin vor Zauberpraktiken angerufen. In Tettenborn gab es früher keine Veranstaltung zu Walpurgis. Erst nach der Gründung der Jugendfeuerwehr wurde 2003 zum ersten Mal auf dem ehemaligen Zeltplatz der Kirchengemeinde ein Walpurgisabend veranstaltet. Ein Feuer mit einer an eine langen Stange hängenden Hexenfigur wurde angezündet, die Jugendfeuerwehr betreute mit Getränken und Grillgut die Gäste, die in den späteren Jahren dann auf Bänken auch unter einem Zelt sitzen konnten. Inzwischen ist dieses Treffen am 30. April schon recht gut ins dörfliche Leben integriert.

 

 

Der Erbesbär

 

Viele uns als christliche Feste oder Bräuche bekannte Tage oder Veranstaltungen. sind bei der Christianisierung auch in unserem Landstrich aus heidnischen Hintergrund entstanden. Da die Germanischen Stämme an gute, böse und gefährliche Geistern glaubten, mussten diese vertrieben oder anderen geopfert werden.

Erbesbärer der Feuerwehr um 1920, vor der Gastwirtschaft Bergmann an der Neuhofer Straße

Zum Vertreiben zogen sie mit Peitschen oder sonstigen Lärmgeräten und Verkleidungen durchs Dorf. Daraus wurde später allmählich die Sitte, daß die Knechte der, Güter oder Höfe am Silvesterabend vor die Häuser zogen, bei denen sie auf Gelder und andere Gaben hofften. Der Erbesbär tanzte nach dem Knallen der  Peitsche und alle wünschten den Bewohnern ein nun von Gott gesegnetes gesundes und gutes Neues Jahr.

 

Als es keine Knechte und Mägde mehr gab, unterblieb allmählich diese Sitte. In Tettenborn hat sie nun seit langem die Feuerwehr wiederaufleben leben lassen. Am Tag nach dem Feuerwehrball ziehen eine Person, der „Erbsbär“, mit Erbsenstroh umwickelt an einer Kette als Tanzbär und seine Begleiter von Haus zu Haus. Dort, wo sie wissen, dass sie eine Gabe bekommen, sammeln der Zug Geld oder Esswaren wie Wurst, Speck, Eier usw. dieses werden dann am Abend bei einem gemeinsamen Abschlussessen verzehrt.

 

 

Kirmes

 

In der Vergangenheit unserer Gemeinde war die Kirmes über Jahrhunderte ein alter Feiertag im Kirchenjahr. Immer einen Sonntag nach dem Erntedanktag wurde das Kirchweihfest gehalten. Im Gottesdienst gedachte man der ersten Einweihung des Gotteshauses und danach wurde gefeiert. Verwandte waren eingeladen, es gab ein besonderes Festessen, nachmittags Kaffee und Kuchen, meist Zwetschenkuchen. Die Mackenroder sagten: "Wenn wir euren Zwetschenkuchen bis zu uns riechen, wissen wir ihr habt Kirmes. Denn das Wort Kirchweih war inzwischen auf „Kirmes" abgeschliffen: Abends war dann auf dem Saal Tanz. Seit Mitte der 1960-Jahre wird dieser Tag  in Tettenborn  nicht mehr gefeiert . In den Nachbarorten der Alten Grafschaft hat er sich oft bis heute gehalten. Im Dorf erinnert nur noch das „Kirmesschießen" des Schützenvereins an den alten Festtag.

 

 

Johannis – Fest

 

Johannis-Feuer am Römerstein, 1958
Johannis-Feuer am Römerstein, 1958

Der Johannistag (auch Johanni, Johannestag) ist der Gedenktag der Geburt Johannes des Täufers am 24. Juni. Er steht in enger Verbindung zur am 21. Juni stattfindenden Sommersonnenwende. Die Johannisnacht ist die Nacht auf den Johannistag, vom 23. auf den 24. Juni. Nach dem Abendgottesdienst ging es auf dem Römerstein, dort war ein großer Holzstoß errichtete und das Feuer loderte. Wenn es niedrig genug war, erfolgten die ersten Mutsprünge. Einzeln oder händchenhaltende Mädchen und Jungen, gemeinsam übersprangen sie die Glut und das noch immer flackernde Feuer. Ganz ohne Brandbläschen ging es oft nicht ab, was aber keinen Einfluß auf die Stimmung hatte. Die Johannisfeste wurden für circa zwei Jahrzehnte fester Bestandteil im Jahresablauf der Jungenschaften. 

 

Dem Volksglauben nach sollte das Johannisfeuer böse Dämonen, die Krankheiten bringen, Viehschaden und misswüchsige Kinder hervorbringen, abwehren. Diese Wirkungen des Johannisfeuers liegen vermutlich in der hohen Popularität des Heiligen begründet, dem auch sonst starke Kräfte zuerkannt werden, die im Mittelalter außergewöhnlich stark verbreiteten Namen Hans, Johannes, Jan usw. gehen auf den Schutzheiligen zurück.

 

 

Erntedankfest 

 

Das Erntedankfest ist in westlichen Kulturen eine traditionelle Feier nach der Ernte im Herbst, bei dem Gott für die Gaben der Ernte gedankt wird. Bei der Feier, die in heutiger Zeit in der Kirche veranstaltet wird, werden Feldfrüchte, Getreide und andere, als Gaben bezeichnete Produkte dekorativ in der Kirche aufgestellt. Eine aus Getreide geflochtene „Erntekrone“ wird in der Kirche aufgehangen. Beim Erntedankfest soll an die Arbeit in Landwirtschaft und Gärten erinnert werden und daran, dass es nicht allein in der Hand des Menschen liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen.

 

Aufstellung zum Erntedankfest-Umzug 1933, an der Neuhofer Straßevor der Gastwirtschaft Bergmann

Die Erntegaben werden nach dem Fest zu Gunsten von Leidtragenden verkauft. Das Erntedankfest wird am Sonntag nach dem Michaelistag (29. September) gefeiert. Diese Regelung geht u. a. auf einen Erlass des preußischen Königs aus dem Jahre 1773 zurück. Nach 1933 verfügte Adolf Hitler, dass das Erntedankfest zentral am 1. Sonntag im Oktober gefeiert werden sollte. Der Erntedanktag, der 1. Sonntag nach dem 29. September, galt als einer der nationalen Feiertage des NS-Regimes. Hier sollte besonders die Bedeutung der Bauernschaft für das Reich hervorgehoben werden. Das Fest wurde zu einem politischen Umzug durchs Dorf. 

 

Besonders groß wurde das Fest im ersten Jahr der Machtübernahme mit Festwagen gefeiert, neben den Bauern nahmen Vereine und andere Gruppierungen teil. 

 

Im Jahre 1974 wurde vom Gemeindekirchenrat beschlossen ein Gemeindefest am Erntedankfesttag stattfinden zu lassen. Der Festgottesdienst fand um 11 Uhr statt, anschließend gab es ein gemeinsames Mittagessen auf dem Pfarrhof und im Gemeindehaus.

 

 

Dorffest 

 

Zur Wappeneinführung des Tettenborner Ortswappens 1985 wurde erstmals gemeinsam von allen Vereinen des Dorfes vor dem alten Herrenhaus im Zentrum des Ortes ein Fest organisiert. In unregelmäßigen Abständen wird das Fest zu bestimmten Anlässen gefeiert. 

Dorffest der Vereine, 1985
Dorffest der Vereine

Ähnliches findet in der Weihnachtszeit statt, am letzten Adventswochenende werden Holzhütten auf der gesperrten Dorfstraße am Dorfbrunnen aufgebaut und für einige Stunden wird mit Glühwein, Würstchen und Kuchen gefeiert. Der Zuspruch zu diesen Festen ist in den letzten Jahren immer größer geworden. 

 

 

Tettenborner Mundart

 

Unser Dorf liegt liegt von der Mundart her an der Grenze vom Niederdeutschen zum Mitteldeutschen im Nord-Thüringischen Sprachraum. Die nachfolgende Erzählung über drei Tettenborner Karl Eilhardt (Pauke), Ur-Ur-Großvater von Burkhard Schmidt, Wiegand (Trompete), Zinram (Geige) beschreibt die Wanderjahre der Musiker um 1860, sie wurde von der Hebamme Ida Matthießen im Hochdeutschen niedergeschrieben. Auch der eine oder Spitzname findet hier seinen Ursprung, unter anderem von Karl Eilhardt, der wegen der Pauke Paukusch genannt wurde oder von Hermine Zinram, die als Bottermine die Butter nach Sachsa brachte.

 

Wenn's Pflügen nicht mehr ging, und es bald mit Regen und Schnee anfing,

Wan's Pfliejen nich mehr ging, un's bole met Ragen un Schnee aanfing 

 

Nach Osten dann zogen drei Musikanten, nahmen Abschied von Freunden und Verwandten.

Nach Osten do zogen dreei Museganten , se nohmen Obschied vun Freunden un Verwandn. 

 

Der Erste nahm seine Trompete vom Mund: Mein Hannechen bleib schön gesund.

Der Erschte nohm sinne Trompeten vom Mule :Min Hannechen blib scheene gesund, 

 

Hüte unsre Kinder und unser Schwein, es muss geschieden jetzt sein.

Hiete unse Kienger un unse Schwien, es muss j eschieden jetzt sieh. 

 

Der Zweite blies in sein Horn: Leb wohl, mein geliebtes Tettenborn!

Dar zweite blies in sin Horn: Lawe wohl , min jeliebetes Tattenborn! 

 

Nach Russlands weiten Fluren steht unser Sinn, und Weihnachten sind wir mitten drin. 

Nooch Russlands wieten Flurn steht unser Sinn, un Wiehnachten simme mitten drine. 

 

Auf den großen Höfen wird feste Musik gemacht. Wir schlagen die Pauke das es kracht. 

Uffen großen Hewen werd feste Musike jemacht, mie schloun de Pauken das's kracht. 

 

Die Mannsbilder lange Stiefeln anhaben sich feste mit Wodka laben.

De Mannsbilre lange Schteweln ahne hotten sich feste met Wodka laben.

 

Sie tanzen zu unserer Musik. Krakowiak mit Marutschka und Rieke.

Se tanzen zu unser Musike. Krakowiak met Marutschka un Rieke. 

 

Und der andere denkt an zu hause an seine Hermine, sie ist ne fleißige alte Biene. 

Un dar andere denkt an heime an sinne Hermine, se es ne fliesseche olle Ben. 

 

Steckt Holz in die Röhre, daß es knackt und die Stietzeln so schöne gelbe backt.

Se steckt's Holz in de Rehrn dasses knackt un de Stitzel so schene gälwe backt. 

 

Und dem Dritten sein Minnechen die Butter nach Sachsa bringt. 

Unen Dritten sinn Minnechen de Botter nach Sachse brenget. 

 

Derweil seine Geige den Russen die Lieder aufsingt. Darwiele sinne Geije den Russen de Lieder ufsinget

Mit der Kiepe auf dem Buckel sie über die Berge flitzt Metten Trarekorwe offen Buckel se äwer de Berje flitzt. 

 

und Abends bei Ölfunzel mit den Kindern um den runden Tisch sitzt. 

un Omens bi da Elfunzel metten Kingern im'n rannen Tische sitzt. 

 

Das Hannechen sitzt hinterm Ofen schön warm und hat's Jüngste im Arm.

Das Hannechen sitzt hingern Owen schene warme un hät's Jingeste in Arme. 

 

Erzählt vom Vater der weit ist fort, sie kennt nicht den Namen vom Ort. 

Verzahlt vun Vatern der wied es fort, se kennt nich de Namen vun Ort. 

 

Es ist weit, hinter Clettenberg lang. Auch da wird's Weihnachten, drum ist ihr nicht bang. 

Es is wied, hinger Clattenberche long. A do werds Wiehnachten, drim eses ehr nich bange. 

 

Überall die Sterne am Himmel stehen. Auch für uns wird Bethlehems Licht auf gehen. 

Ewerall de Sterne an Himmel stehn. Au fer uns werd Bethlehems Liecht uff geh.

 

(Niedergeschrieben Ida Matthießen, aufgearbeitet von Thea Schmidt und Manfred Michaelis)

 

 

Die St.Andreas Kirche

 

Die erste Kirche soll bereits an der jetzigen  Stelle errichtet worden sein, wann diese errichtet wurde ist jedoch nicht bekannt. Der erste Zugang in die Kirche war im Süden, die sogenannte „Antonius-Halle“ ist später abgebrochen worden und wurde zugemauert[10].Der alten Eingangsbogen ist heute noch ersichtlich  Die Bauzeit der heutigen Kirche kann mit Mitte des 12. Jahrhunderts angesetzt werden. Einige Namen von Predigern sind bekannt, es werden 1305 und 1323 Hildebrandus plebanus  in Tettenborn genannt und1327 Bruno, er erscheint 1336 als „archipresbyter des Bannes Berga sup. Im Jahre1513 wurde die kleine Glocke mit der Inschrift: er Lorenz Bormann p.(plebanus), gegossen.  Es gab noch ein Register von 1590, darin waren die Einkünfte der Pfarre und Kirche eingetragen, woraus hervorgegangen, “dass die  Kirche reich und die Pfarre so dotiert gewesen, dass selbst vor der Reformation ein Convictual Herr diese Parochie (Pfarrstelle) angenommen hätte.“ Im Turm stand bis 1931 eine mit kunstvoll geschmiedeten Eisen-verzierungen beschlagene früh-gotische „Cista“ aus dem 14. Jahr-hundert. Sie enthielt einen Priester-umhang und eine uralte Altar-decke. Die Truhe wurde für 750 Reichsmark an die Stadt Nord-hausen für das Neue Museum verkauft[11].  Bei der drei Zentner schweren Truhe handelt es sich nicht um ein kirchliches sondern um ein Hausmöbel für die Ausstattung junger Frauen . Mit dem Gelderlös wurde das Abendmahlsgemälde in Magdeburg restauriert. Ein grüner Umhang war ebenfalls dort im Fundus. 

Sehr alt sind die beiden Renaissanceleuchter aus Zinn auf dem Altar. Der Abendmahlskelch wurde 1691 von der Familie Knorrn – v.Tettenborn gestiftet.

 

 

Volksschule

 

Die erste in Tettenborn bestehende Schule lag an  der Dorfstraße unterhalb der Kirche[12]. Das Haus enthielt neben der Schulstube auch eine Lehrerwohnung. Die Erbauungszeit des Hauses liegt vor 1820, bis 1888 wurden die Räume noch als Schule genutzt. Aktenkundig wurde das Schulhaus erstmals 1823 erwähnt.

 

Mit der Zeit wurde die Zahl der Kinder immer größer, ein zweiter Lehrer und eine zweite Schulstube fehlten. So sollte auf Veranlassung der königl. Regierung eine neue Schule oder ein Anbau an die Alte erstellt werden. 

 

Da aber die Kosten für einen Neubau zu hoch waren, mietete man bei Friedrich Markmann’schen, dem späteren Haus von Heinrich Eilhardt im „Loche“ Räume an. Dort wurde in einem Klassenraum bis zum 18.10. 1926 Unterricht erteilt. Als  zweiter Lehrer wird Christoph Funke angestellt, er blieb bis 1893 in Tettenborn und hatte im Obergeschoß seine Wohnung. Der Unterricht in der alten Schule, ging seinen üblichen Gang weiter.

In den Jahren 1885 /86 wird dann am Rasen Nr. 68 ein neues Schulhaus mit Lehrerwohnung, Stallungen und Scheune auf Gemeindekosten erbaut. Der letzte Gutsbesitzer Matthießen musste seinen Anteil nach vorgegebenen Regeln aufbringen. Der Neubau hatte ebenfalls nur eine Schulklasse. In die Wohnung zog Lehrer Schilling als erster 1887 ein und blieb bis zu seiner  Pensionierung 1898 dort wohnen.

 

Anstelle des Neubaus wird am 07. Juni 1926 das ehemalige Herrenhaus des Rittergutes von der Gemeinde erworben, das als zweite Schule eingerichtet werden soll. Schon am 1. Oktober kam das Schulinventar der Mittel- und Unterklasse in einen Raum dieses Hauses einziehen, die Oberklasse blieb im Gebäude Am Rasen.

 
Schule im ehemaligen Herrenhaus des Rittergutes ab 1927 bis 1957 (Postkartenaufnahme von 1911)

Am 21. September 1927 begann dann der Umbau zur zweiklassigen Schule einschließlich zweier Lehrerwohnungen und im April 1928 wurde das Mobiliar der Oberklasse in die Schule gebracht. Die Schulbänke mussten durch die Fenster hineinbefördert werden, sie wurden an einem Tau die Leiter hinaufgezogen, einige mussten  auch zersägt werden. Am 18. April fand dann die Einweihung der neuen Schule und der Abschied von der alten am Rasen statt. 1929 war der strengste Winter seit 100 Jahren. Wegen der großen Kälte musste der Unterricht vom

11. bis zum 22. Februar eingestellt werden. An diesem 11. Februar waren es bei 25 Grad Kälte und trotz beheiztem Ofen nur 0 bis 2 Grad Wärme in der Schule.

 

Zum 31. Juli 1929 wurde die alte Küsterschule der Pfarre für 1000 RM an Herrn Schiedung aus Limlingerode verkauft. Im Frühjahr 1929 wurde die Schule am Rasen für ungefähr 7000 RM an Herrn Biertümpfel verkauft. Es gab 1932 in der Schule insgesamt 135 Kinder von der Kolonie kamen 35 und aus Nüxei 6 Schüler. Obwohl Nüxei zu Steina gehörte gingen die Kinder von jeher nach Tettenborn zur Schule. Mit der großen Anzahl an Schülern wurden die Bänke knapp, für die 50 Kinder der Oberklasse, gab es lediglich nur 8 Bänke und es wurde daher eine alte Bank aus Steina dazugekauft.

 

Die Idee des Schulneubaus auf der Kolonie fand keine Befürworter und wurde am O5.März 1949 abgelehnt. Als Gegenmaßnahme wurde 1949 die Schule renoviert, die Kosten beliefen sich auf 4598 DM. Auf Grund der immer noch hohen Schülerzahl sollte ein 3. Klassenraum geschaffen werden ggf. durch Anmietung, denn wegen Raummangels wurden Schulstunden bis in die Abendstunden gelegt. Im April 1950 gab es in Tettenborn 220 Schulkinder, bei dieser großen Schülerzahl sollte die Schule zusätzlich Gelände (700 m²) vom Pausenplatz für den Bau eines Zollhauses abtreten. Dieser Vorschlag fand jedoch keine Zustimmung der Gemeinde, ein Zollhaus wurde dann später auf der Kolonie gebaut.

 

Der Schulhof grenzte östlich an die schulischen und privaten Plumps-Klos des Schulgebäudes an und reichte damals noch bis an die nicht bebaute Hinterstraße. Für Laufdisziplinen bot sich die Hinterstraße an. Die Sommersaison endete mit Leichathletikwettkämpfen - ähnlich den späteren Bundesjugendspielen - und einem Handballturnier auf dem Schützen- und Sportplatz (gegenüber von Bauer Sauer). -  Auf dem Schulhof wurde aber auch zum Klang des Akkordeons noch Volkstanz geübt und es gab keine Schulfeier ohne Volkslieder des Schulchores. [13], sei es eine Einschulung (damals noch Ostern), sei es eine Entlassung, bei der nicht der Schulchor mit entsprechenden Volksliedern den festlichen Rahmen bereitstellte.

 

Sportwettkämpfe auf dem Steinberg im Scharzfeld, 1950

Diese Mischung erweckte im Kultusministerium in Hannover Interesse, und so entwickelte es sich ein Studentenaustausch, seit 1948 wurde einige Jahre lang jeweils zwei Studenten der Pädagogischen Hochschule Göttingen zu einem Praktikum nach Tettenborn geschickt.     Veranstaltungen oder Feste machten nicht nur den Schülern Spaß, sondern hatten, wie Aufzeichnungen des Schulleiters Saring zeigen,  auch ganz gezielt einen hohen Stellenwert im Schulleben, weil sie den Alltagstrott unterbrachen, ein festes Gerüst im Jahresablauf bildeten und, durch Anknüpfen an volkstümliche Traditionen, Schüler und Eltern etwas von der Nachkriegsnot ablenkten. Beispielsweise füllte die Schule eine empfindliche Lücke im Dorfleben aus, indem sie seit Sommer 1946, als Schützenfeste noch verboten waren, ein eigenständiges Kinderfest auf dem Schützenplatz auf die Beine stellte. Da gab es dann nach einem Umzug durch das Dorf Spiele, Gesang, Reigen, Volkstänze, Wettkämpfe (etwa Tauziehen, Sackhüpfen, Pendelstaffeln) und kleine Vorführungen. Dieses Kinderfest wurde schließlich anfangs der 50er Jahre, verkleinert wie früher und wieder in das Schützenfest eingebunden.   Eine Weihnachtsfeier der Schule fand für Schüler, Eltern und Interessierte jeweils im Saal der Gastwirtschaft Nußbaum statt. Neben der Ausstellung von anschließend verlosten Bastelarbeiten und weihnachtlichen Laienspielen waren hier auch weiß gewandete Engel mit richtigen Gänseflügeln zu bewundern, die mit ihren Mädchenstimmen z.T. hinreißend innig singen konnten.  In Zusammenarbeit mit der Kirche (zunächst Pastor Achilles, dann Pastor Hage) wurde am Reformationstag ein stimmungsvoller abendlicher Umzug mit Lampions, Gesang und voran schmetternder Trompete, die wohl Pastor Hage spielte, durchgeführt. Und als Kinderturnwart brachte Herr Saring interessierte Schüler in Veranstaltungen des örtlichen Turnvereins ein. Bei Winterturnfesten im Saal des Gasthofs Bergmann oder bei sommerlichen Wettkämpfen auf dem großen Sportplatz, der ziemlich auswärts südlich der Straße nach Nüxei lag. 

 

Aus dem Unterricht des 8. Schuljahrs bei Herrn Saring  ging 1950  ein Abzeichen für die Tettenborner Schule hervor, das auf Leinen gestickt und auf die Turnhemden aufgenäht wurde. Ein großes „T“ überwölbt hier vier „F“s, die als Kürzel für den Wahlspruch des alten Turnvaters

Jahn stehen: „frisch, fromm, fröhlich, frei“ standen. 

 

Von 1953 wurden die Schulkinder wieder in vier Klassen von vier Lehrern unterrichtet, die Schülerzahl betrug jetzt 149. Es waren aber nur drei Klassenräume vorhanden, davon ein behelfsmäßiger im Nebengebäude der Schule. Eine Klasse musste daher am Nachmittag unterrichtet werden, für die Kinder der Kolonie und aus Nüxei war das besonderes im Winter bei Dunkelheit und dem langen Schulweg sehr lästig. Endlich fand man einen Ausweg.

 

Die beiden an der Südfront gelegenen unbewohnten Zimmer des 1. Lehrers wurden durch Herausnahme der Zwischenwand zum vierten, wenn auch sehr schmalen Klassenraum umgebaut. So konnte ab 1956 der Nachmittagsunterricht wegfallen.

 

Sorge bereiteten die Abortverhältnisse und die Heizung in den Klassen. Die Aborte wurden nur notdürftig instandgesetzt. Bei den schadhaften Öfen vertröstete der Bürgermeister immer auf „später“. Die Oberklasse war durch die Ofenschäden bei Unterrichtsbeginn oft so verqualmt, daß die Kinder die Klasse verlassen mussten. Beschwerden beim Gesundheitsamt in Osterode und beim Kreisarzt blieben erfolglos.

 

Im Jahre 1957 wurde dann nach Norden in der frei gewordenen 1. Lehrerwohnung ein neuer Unterrichtsraum geschaffen, der zwar klein aber besser als der im Nebengebäude war.

 

Zwei Zimmer im Oberstock wurden ab 1953 von Frau Süflow und zwei andere von Familie Katzer bewohnt. Nach Wegzug von Süflow übernahm Frau Erna Wagner, Witwe des gefallenen Polizeileutnant Wagner, deren Zimmer. Nach dem die Familie Katzer auszog bezog die Familie des Gemeindeschreibers Otto Ernst diese Wohnung. Den Mietzins vereinnahmte anfangs noch der wieder eingestellte Schulleiter Rank, im östl. Teil der Dienstwohnung war bis 1956 die Flüchtlingsfamilie Starke untergebracht.

Schulneubau 1957, heute DGH mit Grillplatz

Nach dem Obdachlosengesetz mußten zum allgemeinen Unwillen der Dorfbewohner in den zwei südl. Zimmern Personen untergebracht werden.  Nachdem endlich ein Lehrmittelzimmer zur Verfügung stand, wurden ab 1954 wieder Lehr- und Lernmittel angeschafft und 1956 ein Schulfunkgerät. Im Herbst 1955 gab es eine Versammlung über den Bau eines Dorfgemeinschaftshauses zwischen den Lehrergärten und dem Born. Das Projekt schlief dann ganz ein. 

 

Dafür erschienen am 18. Juni 1956 mehrere Herren in Begleitung des Schulrates. Der wieder eingestellte frühere Hauptlehrer und jetzige Schulleiter Rank machte auf vielfache Schäden aufmerksam. Als Dr. Brandes, Kreis-Kulturdezernent alles gesehen hatte schlug er die Hände über dem Kopf zusammen und rief die anderen Herren herbei als er die südliche Klasse betreten hatte: “Eine Sensation, eine Sensation rief er lachend.“ Jedenfalls hatte die Kommission genug gesehen. Es folgte später in der Gaststätte Nußbaum eine 1 ½ stündige Sitzung mit Vertretern der Regierung in Hildesheim, des Landkreises, des Gemeinderates und der Schule. In dieser Sitzung wurde der Neubau der Schule an der Neuhofer Straße beschlossen. Zum 1.10.1956 hat die Regierung die Gesamt-Kosten des Volksschulneubaus auf 320.000DM festgesetzt. Damit war auch die Gemeinde einverstanden. Die Ausschreibung konnte erfolgen. Die Grundsteinlegung der letzten Tettenborner Schule erfolgte am 1. November 1957, im Frühjahr 1958 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen und am 19.Mai 1958 erfolgte das Richtfest. Die Einweihung der großzügigen Schule war am 6. Dezember 1958 und Landrat Hohmann sagte in seiner Rede: „Dieses an der Zonengrenze liegenden Schulgebäude sei ein Posten für alle Westdeutschen.“   

 

Der Unterricht fand nach der Einweihung ab 1959 in der neuen Schule statt. Hauptlehrer Werner Afheldt zog mit seiner Familie in das neue Lehrerhaus gleich am Schulneubau ein, der alte Hauptlehrer Rank war 1958 wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand versetzt worden. So wurden die vier Klassen von Ostern bis Herbst nur von drei Lehrkräften unterrichtet. Ab 1959 wurde Frau Eikmeier (früher Ilse Lamster) erneut Lehrerin an der Schule und alle vier Klassen hatten jetzt wieder eine eigene Lehrkraft, denn Frau Grunewald war ab 01. März 1968 nach Tettenborn gekommen.

 

Mit dem Schuljahr 1968 werden die Schüler der 5. bis 8.und der 9. Klasse seit dem 27. August mit Schulbussen in die Volksschule nach Bad Sachsa befördert. 

 

Die Folge war, daß die Klassenräume in Sachsa zu eng wurden. Deshalb wurde der Lehrer Konrad Beißert zum 21. August 1968 mit einer seiner Klassen nach Tettenborn abgeordnet und musste mit den Schülern in dem Schulbus von Sachsa nach Tettenborn fahren und dort den Unterricht halten und mittags umgekehrt zurückfahren. “Es war in Tettenborn trotz der Umständlichkeit eine sehr schöne und mit dem hiesigen Kollegium eine sehr harmonische Zeit gewesen. An die er sich noch heute gerne zurückerinnerte.“ Dieser Umstand endete mit dem Schuljahresschluss im Juli 1969. In den folgenden Jahren verlief der Unterricht in der neuen Tettenborner Schule problemlos. Es wurden die jährlichen Sommerfeste abgehalten, zu den Einschulungen kamen alle Kinder zum Einschulungsgottesdienst in die Kirche, sportliche Wettkämpfe fanden statt und Schulausflüge wurden wie schon immer durchgeführt.

 

Dann kamen die großen Veränderungen in der Gemeinde Tettenborn. Im Niedersächsischen Gesetz- und Verordnungsblatt vom 29. Februar 1972 heißt es im §  7: Steina – Tettenborn – Neuhof werden in die Stadt Sachsa eingegliedert.

 

Schulfest Mitte der 1960 Jahre

Für die Schule bedeutete dies das nahende Ende. Als das Schuljahr 1972 vorbei war mussten im neuen Schuljahr 1973 alle Kinder mit Schulbussen zu den Schulen in Bad Sachsa, das hiesige Schulgebäude stand leer, es wurden dann zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. So endete eine fast dreihundertjährige Schulgeschichte in unserer Gemeinde.

 

 

Neben dem heutigen DGH war bis 2016 auch das Grenzlandmuseum in der ehemaligen Schule untergebracht.

 

Die gesamte Geschichte des Dorfes ist in den Chroniken (Dorfbüchern) nachzulesen.

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[1] Hinterstraße 12, heute Schmidt

[2] Der Deutsche Volkssturm sollte ab September 1944 alle „waffenfähigen Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren“  zur Verteidigung des deutschen Kernbereichs einziehen und die regulären Truppen der Wehrmacht verstärken.

[3] das verlassene Fahrzeug samt Munition soll der Organisation Todt (Reichs-Min. für Bewaffnung und Munition) angehört haben

[4] Kletenberger Straße 8

[5] BDM, nationalsoz. Organisation Bund deutscher Mädchen

[6] Unterlagen Pfarrarchiv Tettenborn

[7] Inge Sauer

[8] Schrotthändler „Herzog“, Dorfstraße

[9] Mitteilungen von Inge Sauer, geb. Genzel

[10] Zeitung für den Harz; 1901 (Zeitungsausschnitt aus der Chronik von Dr.Jacob)

[11] Meyenburgmuseum, die Truhe steht als Blickfang in der Eingangshalle

[12] Haus Dorfstr. Nr. 34; mehrfach umgebaute jetzt bewohnte von der Familie Wienberg 

[13] Auzüge aus der Zusammenfassung über die Anfänge des Schulunterichtes nach 1945 von Erhard Saring

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